Hier kommt mein doch etwas ausufernder Bericht vom Sonntag.
Vieles ist schon gesagt worden, aber es hat mir so gut gefallen, daß ich das einfach erzählen möchte..
Der 10.10.2010 war an sich schon ein schöner Tag: sonnig, klar und sehr entspannt.
Als wir auf dem Weg nach Köln im Stau standen ahnten wir noch nicht, daß der Tag noch von so einem gelungenen Konzertabend gekrönt werden würde.
Die Location E-Werk machte (zunächst) einen sehr guten Eindruck: genug Parkplätze Drumherum, ein großzügiger alter Ziegel-Industriebau mit Charme und netter Beleuchtung ohne das übliche Gedrängel und die Schlangenformationen an den Bier-Ver- und Entsorgungseinrichtungen. Anwesend waren schon viele insgesamt freundlich wirkende Besucher und viele entfernt bekannte Gesichter, die ich glaube in den vielen Jahren schon häufiger wiedererkannt zu haben.
Die Solistin namens Vic Anselmo der "Vorband" begann etwa 20 Minuten nach unserer Ankunft mit ihrer sehr ruhigen Darbietung. Mit einer durchaus guten Stimme und Klavierspiel verschaffte sie sich Achtung im Publikum. Schöne intensive Songs, Musik zum ruhigen Zuhören - am besten jedoch im Sitzen - etwas zu getragen für diesen Konzertabend, die Konzentration im Publikum reichte hierzu nicht ganz - aber insgesamt wirkte der Auftritt jedoch angenehm und sympathisch.
Natürlich starteten die Lakaien - nach nicht allzu langer Umbaupause - mit dem Opener "On Your Stage Again" das sich herrlich von dem ruhigen Anfang zum kraftvollen Ende steigerte. Hier wurde mir klar wie sehr ich diese "Vollbesetzung" vermisst habe. Vermutlich werde ich hier gesteinigt, wenn ich das sage, aber ich habe so viele Akustik - Konzerte gehört, daß ich echt froh war mal wieder die "volle Power" dargeboten zu bekommen. Ich finde die akustischen Versionen wunderschön - keine Frage- aber ich finde sie sind nur ein Teilaspekt der Lakaien. Die kraftvolle und filigrane elektronische Komponente ist eine besondere Würze, die einmalig ist und die ich nicht auf Dauer missen möchte.
So ging das Konzert auch mit Schwung weiter: "Fighting The Green" und daraufhin das hypnotisch verführerische "Into My Arms".
Daraufhin folgte mein Highlight des Abends: "Who'll Save Your World" in voller Pracht. Hier kam meiner Meinung nach alles vom Besten zusammen: die Elektronik voller Energie, die Streicher voller Emotion und Alexander sang sehr passend voller Gefühl mit einem ungewohnten sehr angenehmen "Lächeln in der Stimme". Es mag sein das es an dem optimistischen euphorischen Grundton des Songs liegt, aber ich finde es ist eines der besten, wenn nicht sogar das beste Lied für die Bühne und die Truppe in der Besetzung. Es fehlte vielleicht noch die zweite Geige, aber ansonsten wirklich perfekt. ("Young" hat meiner Meinung nach das gleiche Potenzial wenn der hintere Teil - das mehrstimmige Rufen- etwas variiert würde...)." :ymapplause:
Alexander bemerkte nach ein paar Zwischenrufen „. und Ihr wisst ja eh alles besser!“ und sorgte für weitere Erheiterung. Natürlich fehlten auch die „Dark Star“ Rufe aus dem Publikum auch an diesem Abend nicht 😱) .
„ Where You Are" riss mich dann in eine ganz andere Stimmung. Ich verbinde das Lied mit einem persönlichen Verlust und es brachte mich auch an diesem Abend an den Rand zum Weinen. 🙁(
Alexander schaffte es an diesem Abend besonders gut wirklich lustig und spontan zu sein aber auch alle Lieder mit der nötigen Ernsthaftigkeit und Hingabe zu präsentieren.
Er folgte die neuen Stücke "Europe" und "Immigrant". Sehr gute Position in der Setliste, irgendwie wirkten die Lieder wie alte gute Bekannte. Die französische Passage in Europe wirkte sehr chic - mit kam wieder der Gedanke, dass hier auch ein deutscher Teil fehlt, da Herr V.s Stimme irgendwie (seltsamerweise - ich finde deutsche Songs selten schön vom Klang) am Geilsten klingt.
"Forest" ertönte und nahm mich mit in einer Art Zeitreise. Ich finde den Song faszinierend, er ist ungewöhnlich - ich hatte ganz vergessen wie er wirkt. Gute Idee den wieder hervorzuholen.
"Six O' Clock" folgte mit seiner anachronistischen, rauen wütenden Art - es klingt wie ein Song von "1987". Ich bin nicht so ein Freund dieser eher disharmonischen und anstrengenden Lieder: der Rhythmus ist zu vertrackt zum Tanzen, die Melodie nicht "schön" genug zum Schwelgen - ich höre angestrengt zu und frage mich dazu was ich jetzt wohl fühlen sollte ;-) Vielleicht lag es auch an dem Sound, bzw. dem Abmischen, das oft nicht so war, wie es die komplexe Natur einiger Lakaien Songs braucht. Aber es ist ja alles Geschmackssache. :-?
Als Kontrast folge darauf das sehr harmonische- fast (!) zu schöne "One Night". An dieser Stelle hätte ich mir "Without you words" gewünscht - es ist genauso "schön" aber irgendwie raffinierter. Daher folgte auch gleich das raffinierte "Gone" das auch so ein Hybrid aus allen guten Eigenschaften der Lakaiensongs ist.
Wunderbar ( sry, -leider wurde der Begriff ja an diesem Abend durch den „betrunkenen Riesen“ :ymdevil: überstrapaziert..) gesungen und voller Energie gespielt zeigte sich die Bühnenmannschaft - wie überwiegend an diesem Abend - sicher und bestens gelaunt. Der Meister arbeitete konzentriert in seinem Labor und tauschte ab und an vielsagende Blicke mit seiner Truppe.
Auf "Blue Heart" folgte "Return" - ein elegantes, schwebendes Lied, das ich aber irgendwie zu häufig gehört habe. "Blue Heart" kam besser rüber als ich das gedacht hätte, der langgezogene Refrain, das Tempo - alles eher schwierig - aber es kam gut an. Leider spielte hier jedoch der Soundmix entgegen.
Mit der Zeit tendierte der Mix zur Übersteuerung und viele Sound waberten zu einer Masse zusammen oder einzelne Instrumente stachen unpassend heraus, leider aber nicht dann, wenn gewünscht, wie z.B. die interessante Fanfare im Refrain, die im hinteren Teil von "Blue Heart" ein Sahnehäubchen darstellt und so Fehlen dieses Akzentes das Lied nicht zum Höhepunkt kommen lies.
Hiernach kamen zwei tolle Zugaben "Mindmachine" und "Overpaid" gekonnt mit Schwung und Spaß gespielt. Alex kam hier zwischendurch mit der Reihenfolge durcheinander und kündigte " Colour-Ize" an, um zugleich nach einem amüsanten Wortwechsel auf der Bühne seinem "Unterbewusstsein die Schuld zuzuschieben, dass ja früher ins Hotel möchte". Das wurde nach Kommentaren aus dem Publikum von Herr V. noch einmal klar gestellt "..ich habe gesagt das UNTERbewusstsein.." Man merkte Alexander an, daß es anstrengend war, aber er wirkte nie genervt oder leidend. Die Lakaien hatten gute Laune und das übertrug sich auf das Publikum und umgekehrt - eine sehr gute Stimmung.
Der zweite Zugabenblock bestand aus alten sehr ruppigen "Through The Hall" bei dem Robert voll auflebte, dem zuvor versprochenen "Colour-Ize" in alter Tradition und "Reincarnation" als beliebte Anspielung auf das sich wiederholende Elend des Leben und Sterbens, des ständigen "Weiterspielen - müssen" und Vergleichbarem... Hier gönnte sich Herr V. einen "Durchhänger" auf dem Barhocker. :ymparty:
Als dritte und letzte Zugabe kam dann der perfekte aktuelle Abschlusssong "Along the road" wunderschön, traurig und so wahr der Text.. Leider hatte der Tontechniker zu diesem Zeitpunkt schon innerlich Feierabend gemacht und das gute Cello übertönte fast Herrn V.. Ich kann mir vorstellen, daß es kein leichte Job ist Lakaien Songs abzumischen, aber ein bisschen mehr Präzision hätte ich mir dennoch gewünscht.
Ich hätte gerne noch nach dem Konzert ein Bier getrunken um in Ruhe diesen Abend ausklingen zu lassen, aber der Veranstalter hatte offensichtlich kein Interesse an weiterem Profit sondern wollte einem Staatsbetrieb gleich einfach nur möglichst schnell die Leute aus der Bude kriegen. Sowas ist schade und auch dumm finde ich - naja wir hatten ja eh einen weiten Heimweg und so waren wir schon 20 Minuten später wieder „on the Road“.
Deine Lakaien haben an diesem Abend ein super Konzert gespielt und damit diesem schönen Tag die Krone aufgesetzt. Meine Umgebung war allesamt begeistert und sehr zufrieden mit dem Auftritt. Hier wurden alle Register gezogen und die Gefühle bewegt, mehr kann man sich nicht wünschen, ..außer vielleicht mehr davon. Gäbe es eine „Indicator-Tour Part 2“ mit den anderen neuen Lieder, wie Alexander zwischendurch scherzend als eine Art „Abo“ vorschlug so wäre ich auf jeden Fall gleich dabei.
Ich möchte unbedingt wissen, wie „"Without you words"“, „Alabahma“, „Young 2010“, „Spring will come“ oder „Go Away Bad Dreams” live klingen! Bis es mal soweit sein sollte haben wir beschlossen uns das Konzert noch einmal in Berlin zu gönnen. 😀