Mir gefällt die EP ausgesprochen gut! Ich bin kein Fan von Remixen. Aber den Ansatz von Ernst, zunächst nur von der Gesangsstimme auszugehen und teils sogar die Harmonien umzustellen, finde ich dann doch ganz akzeptabel. So ganz überzeugt bin ich dennoch nach wie vor nicht. Meinem Geschmack nach müsste die gesangliche Interpretation dann auch dem veränderten Stil folgen. Gerade bei
Europe fällt das dann doch trotz der eingestreuten Stimmsamples sehr auf. Das Orgel Zwischenspiel und dessen Entwicklung gefällt mir aber dann wieder sehr gut - geradezu ein akutisches amuse-gueule (oder dann besser "amuse-oreille"?). Die neuen Versionen von
Gone und
On your stage again könnte ich mir durchaus auch auf der fortgesetzen Tour im Februar vorstellen. Die Klavierbegleitungen von Ernst finde ich immer sehr schön - sie wirken so leicht hingeworfen... Kann Frau Anselmo eigentlich Harfe spielen? Dann würde sich dieser Übergang doch fast anbieten
😉
In the land finde ich auch durchaus sehr gelungen. Wobei ich anders als Lady Ash Musik und Inhalt hier nicht als gegensätzlich empfinde. Wenn man mal die von Ernst angesprochene Grundlage "Der Unbesiegbare" von Lem hernimmt - die gleichgeschaltete Masse, die von einem diktatorischen Regime auf Linie gebracht wird, in der "unerwünschte" Kreativität und eigenständiges Denken unterdrückt werden. Und dann diese dunkle Wolke, die Lem als Allegorie verwendet hat (auf
dieser Seite findet sich ein kurzer Textauszug - man muss etwas runterscrollen unter Punkt 8). Da ist doch diese eher dumpfe, marschierende Begleitung ohne besondere Höhepunkte und die etwas einlullende, monotone, weiche Stimme von Alexander, immer wieder mehrstimmig mit sich selbst, dann doch sehr passend. Es gibt hier auch nicht das sonst so typische, ausgedehnte musikalische Zwischenspiel - nur eine kurze Bridge zu einer Art C-Teil (in dem man dann den Text wegen des Halls leider praktisch gar nicht mehr verstehen kann).
Wobei mir die Übertragung auf Google/Facebook ausgesprochen schlüssig erscheint. Es geht ja nicht um das Internet an sich, sondern um die Interessen, die diese Konzerne verfolgen. Auf den Google-Handys kann Google jederzeit Programme installieren und deinstallieren, hat also ständigen Zugriff auf die Grundfunktionen. Dass sich jemand so etwas kauft, kann ich absolut nicht verstehen. X( Die Facebook AGBs sind absolut inakzeptabel, wenn man mal genau liest und Steve Jobs/Apple meint auch schalten und walten zu können, wie er will (man erinnert sich, dass die Positionsdaten der iPhones von Apple gelesen und gespeichert wurden). X( Dagegen wirkt Bill Gates schon fast wie ein Waisenknabe. :ymdevil:
Ich kann mir vorstellen, dass Lem selbst diesen Zusammenhang auch hergestellt hätte, wenn es ihm vergönnt gewesen wäre, noch etwas länger unter uns zu weilen. Er starb 2006 und hat diese Entwicklung also nicht mehr miterlebt. Lem hat das Medium aber durchaus schon zuvor differenziert kritisch begleitet wie z. B. in diesem Arikel über
Die Megabitbombe, in dem sich einige interessante Gedanken finden lassen. Die gesamte Kolumne ist in dem Zusammenhang lesenswert. Das ein oder andere mag man dort vielleicht auch unter "Altherrenwut" ablegen, aber Lem ist durchaus als Philosoph ernst zu nehmen und hat ein äußerst beeindruckendes wie aktuelles Wissen über Medizin, Mathematik und Physik. Sorry, I got carried away once more.
Fazit: Maestro Horn hat es einmal mehr geschafft, mich zu überraschen, sowohl mit der inhaltlichen Verknüpfung als auch musikalisch. Mir gefallen diese immer wieder neuen Variationen in der Verknüpfung von Elektronik und klassischen Instrumenten. Es ist einfach immer wieder interessant. Merci beaucoup! :ymhug: