Nachdem ich das Video zum ersten Mal gesehen hatte, war ich auch etwas ratlos. Inzwischen finde ich es allerdings ziemlich gelungen.
Brosze schrieb:
da denke ich z.B. an die Videos von Mind Machine, Generators, Gone und nun auch Farewell. Das bedarf einer offenen, kreativen Auseinandersetzung mit diversen Regisseuren; das gefällt mir!
Der offenen, kreativen Auseinandersetzung kann ich nur voll und ganz zustimmen. Die Videos zu Generators, Gone und Farewell sind allerdings alle von demselben Künstler: Jörg Grosse-Geldermann, der auch für die Fotos und das Artwork der Alben zuständig war. Ich schätze seine Arbeit mit den Lakaien sehr!
Mein Zugang zu visuellen Darstellungen ist allerdings auch etwas beschränkt. Für mich unterstreicht die Farbe Gelb die Aggressivität des Songs, die durch den stampfenden Rhythmus und die Elektronik erzeugt wird. Im Chorus ist sie stark zurückgenommen, der Rhythmus ist hier nicht so gleichförmig und man sieht nur wenig Gelb. Bei der Wiederholung des Chorus am Schluss sind sowohl Farbe, als auch der Rhythmus wieder da. Zurück bleibt die Aggressivität, die ich eher als nach Innen gerichtet empfinde. (Zudem hat Ernst im Sonic Seducer Interview erwähnt, dass er bei diesem Album durchaus persönliche Dinge verarbeitet hat. Was aber nicht bedeuten muss, dass es keine allgemeinere Interpretation gibt...)
Zum einen ist da der Ärger darüber, dass "es" (eine Beziehung?) noch nicht zu Ende ist und immer noch die eigenen Gefühle beherrscht. Alexander bringt das mit seinem fast bockigen "Farewell my love, farewell" sehr schön rüber. Zum anderen gibt es Wut auf sich selbst darüber, Schuld auf sich geladen zu haben. Die muss von dem hier sprechenden Subjekt als ganz erheblich empfunden werden, geht es doch eingeschlossen von Wänden, ohne Hoffnung auf Strafmilderung (d.h. auch: Strafe gibts in jedem Fall, Freispruch bzw. Erlösung ausgeschlossen) nur direkt weiter durch die Tore der Hölle. Mir gefällt dabei die Wendung "walls...impervious to leniency".
Ich finde daher, Ash, auch Deine Verbindung zwischen den Quadraten und einem Pranger ganz passend. Auch, dass diese sich quasi in den Konfetti auflösen. Und ich bin sicher, niemand kann Konfetti so würdevoll werfen wie Alexander!
Lady Ash schrieb:
Die Orientierungslosigkeit darin? "I cannot turn my head to see."
Die Interpretation passt m.E. ganz gut. Wobei ich es auch wieder eher auf eine Person bezogen sehen würde. Bei "trees as far as eyes can see" kommt mir "den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen" in den Sinn...
Lady Ash schrieb:
Der Egoismus? "Fix the law for thee and thine?" (ich mag den Ausdruck)
Egoismus, glaub ich auch, und zwar möchte man ihn bei sich selbst gerne verleugnen (nicht "me and mine").
Das Stück ist in den Strophen und der ostinativen Hookline extrem monoton gehalten, was mich auch ein bisschen aggressiv macht, zugegeben. Die Zweistimmigkeit tut dem keinen Abbruch, dafür ist die Stimmführung zu einfach. Das finde ich aber so durchaus passend. Außerdem ist das Stück in dieser Form ausgesprochen clubtauglich. Der Chorus ist dann sehr melodiös und die Unschärfe der Bilder erklärt sich dann durch "blurred" und "hazy". Mich erinnert dieser extreme Wechsel an "In the land of", wobei die Struktur noch einfacher gehalten ist als bei "Farewell". Wegen der starken Monotonie brauchen beide Songs am Schluss noch etwas Reibung. Bei "in the land of" passiert das durch den instrumentalen Zwischenteil, der bei "Farwell" im Gegenteil zu sehr einfach gehalten ist. Dafür ist der wiederholte Chorus am Ende ein Terz höher notiert.Das ist ein in der Popmusik häufig verwendetes Element, wobei meist nur um einen Halb- bzw. Ganzton "verrückt" wird. Mit so einer Rückung kann man mich jagen, ganz ehrlich, das ist in diesem Fall leider auch nicht anders.
Ich versteh' aber schon, dass das Stück bei den allermeisten sehr gut ankommt. Sicher eine sehr gute Wahl für die Single! Persönlich haben mit die anderen Stücke aus dem Pre-Listening besser gefallen. "Where the winds don't blow": ein Traum! Freu mich auf die Single und bin sehr gespannt auf "Into Chaos"
😀