Hi,
ich wollte mich erst raushalten, will nun aber doch das mal kurz kommentieren, da die Sache auf meinem Miste gewachsen ist und ich Deine Lakaien überzeugt habe, dort aufzutreten.
Die ganze Diskussion finde ich irgendwie ärgerlich. Es ist soo einfach zu sagen, Benefiz mache ich nicht mit, denn das ist nur Eitelkeit. So ähnlich habe ich Claus verstanden, wobei ich dann genau so eitel fände, in aller öffentlichkeit zu sagen, man geht nicht hin, weil das ja ziemlich "cool" und "gelassen" wirkt, oder?
Jetzt mal zu dem Auftritt, ich werde der besseren übersicht halber etwas "systematisch" antworten:
1. Es gibt einen ganz konkreten Anlaß für das Festival. Bis 1999 war der 1. Mai in Leipzig annscheinend in der Hand der Nazis: die hatten einen Marsch zum Völkerschlachtsdenkmal organisiert. Wir alle wissen, wie schwer es für ein Ordnungsamt ist, politisch zu argumentieren, wenn man so einen Aufmarsch verbieten will. Die Meinungsfreiheit ist weit gefasst und bis die Gerichte entschieden haben ist der Spuk längst vorbei. Wenn aber an dem Tag bereits eine andere Veranstaltung genehmigt ist und läuft, und die Teilnehmer aneinander geraten könnten, hat das Ordnungsamt die ordnungspolitische Möglichkeit, die kein Gericht beanstanden kann, aus "Schutzgründen" für die andere "Versammlung" die Nazidemo zu untersagen. Die Prinzen hatten aus diesem Grunde das Festival angeregt, und das Konzept geht auf.
2. "Courage zeigen" ist eine Organisation Leipziger Bürger. Das Festival ist wirklich nur eine kleiner Teil von deren umfangreichen Aktivitäten, das Nazitreiben in Sachen eindämnen zu helfen. Das ist echte Zivilcourage, glaubt mit das. Eine solche Organisation zu unterstützen, ist für sich schon eine gute Sache, und das wollen Deine Lakaien mit dieser Geste. übrigens haben Bürger aus anderen sächsischen Städten anscheinend die Idee bereits aufgegriffen, ich habe z.B. von Dresden so etwas gehört.
3. Benefitz ist "Schenken" in der öffentlichkeit. Klar hat Claus Recht, dass "Schenken" im Stillen noch hochwertiger ist, und wenn Claus so drauf ist und seine Unterstützung für solche Dinge eher im Geheimen macht, kann ich nur sagen: super.
Ein Benefiz wie dieses Konzert ist trotzdem wichtig und nicht durch das andere zu ersetzen, sondern ergänzt das "stille" Geben in mehrerer Hinsicht:
A. Es hat Signalwirkung: Ein Gemeinschaftsgefühl der Teinehmer, nicht allein mit den Sorgen und dem Kampf zu sein.
B. Es hat zudem politische Wirkung: Politiker kommen kaum darumherum, hier auch Präsenz zu zeigen, und sich mal konkret zu äußern. Ich bin sicher, daß sowas auf den politischen Alltag nicht ohne Auswirkung bleibt.
C. "Vorbilder", wie diese bunte Häufchen Bands (zumindest was die Headliner betrifft, die kleinen Band sind einfach vielleicht froh, eine schöne Gelegenheit zu haben, einmal aufzutreten) also diese Bands stecken vielleicht den einen oder anderen an, vielleicht mal nachzudenken, und die Passivität aufzugeben. Denn jeder kann das Seine tun, für eine Band ist das ein Auftritt, für jemand anderen vielleicht Flugblätter zu verteilen oder in der Klasse überzeugungsarbeit zu leisten.
Viele Grüße (...und vielleicht bis heute abend? )