Song-Interpretationen

Re: The Game

"The Game" ist auch einer der Songs, bei denen ich ziemlich eindeutige Bilder im Kopf habe, (allerdings auch nicht gerade besonders schöne oder frohe), obwohl sie nur sehr entfernt mit dem Text zu tun haben.

Mir erscheint der Song wie die Gedanken von jemandem,bei dem ein sehr naher Mensch versucht hat, aus dem Leben zu gehen, oder dem es möglicherweise sogar gelungen ist. Der, den er zurückläßt, bleibt allein in dem Spiel, genannt Leben, ohne Chance, etwas zu ändern, ohne die Möglichkeit, auch nur eine Erklärung zu bekommen, warum der andere so gehandelt hat... So die Art Stimmung, wenn du nach einer durchwachten Nacht auf dem Korridor der Intensivstation stehst, und irgendwann kommt ein übermüdeter Assistenzarzt vorbei und sagt, "Es ist vorbei, wir konnten nichts mehr tun..." Keine Kraft mehr für Trauer, die ist in dieser langen Nacht auf der Strecke geblieben.Keine Wut, keine Selbstvorwürfe, die kommen später. Nur noch Grau und Bitternis.

Theris
 
Re: The Game

Hallo Chris, ich finde das Interpretations- Thema prima. Leider kann ich kaum englisch; und bevor ich mich mit dem Wörterbuch bewaffne, gehen mir die Bilder durch den Kopf. Bei "The Game" sah ich immer einen Zocker, der mal wieder den Lohn verprasst hat, ohne eine müde Mark dafür zu bekommen ( heute ja Euro). Total vezweifelt macht er sich auf den Heimweg, um es seiner Frau/seinem Mann zu erklären, dass er wieder alles verspielt hat, obwohl er doch versprochen hat, es nicht wieder zu tun. Er ist total hilflos, seine hängenden Schultern, sein trauriger leerer Blick, alles ohne Hoffnung. "Das Leben ist ein Spiel: DAS SPIEL. Egal, ob es einem mies oder gut geht: wir haben nur das EINE. Jedenfalls im Momemet. Im nächsten wird alles anders, alles besser; doch oft läuft es dann genauso mies ab." Das denkt der Zocker, auf seinem schlurfenden Weg nach Hause. Und am Morgen schlägt er wieder seine Augen auf und verspricht abermals, nicht zu spielen.
Skollo
 
Re: The Game

also schlagt mich....
Für mich war "The game" immer das Synomym für die Liebe. Dann macht das Sinn mit dem Teil von "What habe you done to the game". Aber wie gesagt, das ist so ne Idee, ich lass mich auch gerne eines besseren belehren.
Ist übrigends auch mein Lieblingslied der Platte!

Philia
 
Re: The Game

Stimme dir vollkommen zu! The game = Liebe & Beziehungen. Ziel des Spiels: überleben und ohne psychischen Knacks davon kommen...
 
Re: The Game

GENAU, Legolas!
Ich würde mal ganz frech behaupten, dass es um eine ralativ einseitige Liebe geht, bzw. um eine Partnerschaft, in die der eine Teil des Pärchens mehr investiert als der andere. Jedenfalls beschwert sich der eine Teil, dass der andere nicht genug dazu beiträgt. Eben dieses "What have you done to the game...".
Wahscheinlich haben die beiden eine Nacht verbracht und er/sie ist vor Anbruch des Tages weggegangen. "bevor morning due" ist für mich eigentlich klaro so verstehen.
Und "the game will not end without you" drückt dann eben aus, dass selbst eine gescheiterte BEziehung ordentlich beeendet werden will, oder? Damit meine ich dieses blöde Schlussmachen am Telefon und solche Spässe....
Un d jetzt bin ich gespannt auf Deine Meinung!

Die Philia
 
Re: The Game

Kann dir wieder nur zustimmen...

Grey eyes flicker
Cold is the weed
Worn out shoes
Air full of grief


Grundstimmung wird aufgebaut: Trostlosigkeit.

It is you now
Stuck within


Man erfährt, dass es um eine andere Person geht, die sich im Herzen/ in der Seele des Erzählers "festgesetzt" hat und dort...

Soul is burning

...seelische Schmerzen verursacht.

No chance to win

Der Erzähler ist verzweifelt.

What have you done to the game
Was it a victory, a shame


Die andere Person wird vom Erzähler angesprochen. Die erste Frage ist ein reiner Vorwurf, die zweite ist leicht anklagend, sucht aber nach einer Erklärung.

Where have you gone

Der Erzähler ist verlassen worden...

Before morning dew

...vor dem ersten Tau des neuen Morgens. Also nach der ersten gemeinsamen Nacht, wie philia meint? Nein, irgendwie passt das nicht zu Deine Lakaien. 🙂 Der neue Morgen könnte für vieles stehen: bevor man die Chance bekommt, alles in einem anderen Licht zu sehen oder ohne der Beziehung eine neue Chance zu geben - auf jeden Fall zu früh.

The game will not end
Without you


Der Erzähler kann nur mit der anderen Person das "Spiel" beenden. Insoweit ist er immernoch von ihr abhängig.

Ears of lost minds
Luke and torn
Dresses rotten
And broken stores


Lost - torn - rotten - broken: 4 Bilder für Verlust und Zerstörung.

And the meaning
It's sold too soon


Die Beziehung wurde zu früh aufgegeben, noch schlimmer: sie wurde verkauft.

Can the blister
Substitute the moon


Keine Ahnung, was das bedeuten soll, aber ich höre es gern, wenn Alexander diese 2 Zeilen singt. 🙂

What have you done ...

And the hot sun
Paints the door
Your philanthropist
Sighed once more


Manchmal bedauert der Erzähler es einfach, so ein netter Kerl & Menschenfreund zu sein.

Wind was blowing
Air through pipes
Holes in bodies
Mortal crimes


Und trotzdem wird es am Ende wieder versöhnlich: Mortal crimes - dieses "Verbrechen" ist menschlich...

What have you done ...

Just my 2 cents, ohne Anspruch auf Richtigkeit!
 
Re: The Game

Can the blister
Substitute the moon

"Kann eine Seifenblase / Den Mond ersetzen?"

Meine Deutung wäre, daß dies die Illusionen sind, die einen quälen, die man aber dennoch nicht loswird, an die man sich unter Umständen noch festklammert.
 
Re: The Game

Ah ja, danke Johannes. Ich wusste nicht, dass blister auch Seifenblase bedeuten kann. Ich kenne das nur iSv Brandbläschen oder wie man das nennt... also diese kleinen Bläschen, die bei einer Verbrennung auf der Haut entstehen.
 
Re: The Game

es gibt sogar ein Mittel, das Blistex oder so ähnlich heisst gegen Blasen im Mund, nur so am Rande...
Kann euch beiden nur zustimmen bei der Deutung.
Und die Passage mit "substitute the moon" hört sich echt knackig an, da gebe ich dem lieben Legolas recht!!
Kein One-night-stand? Okay, dann nicht..Aber das war auch einfach nur so in den Raum geworfen. Wahrscheinlich lässt die komplexe Gesamtbeschaffenheit des Textes solche banalen Statements wohl eher nicht zu, grübel...

Philia
 
Re: The Game

Hab das Lied gehört, als meine Beziehung anfing, in die Brüche zu gehen (meine inzwischen Gottseidank-Ex hatte mich mit meinem besten Kumpel betrogen)- da passte The Game wie die berühmte Faust auf's Auge: "What have you done to the game?" game=(wie oben bereits mehrmals gemutmaßt)Liebe/ Beziehung. sowieso habe ich eigentlich nie eine "eigenständige" Geschichte zu den DL-Liedern vor Augen, sondern beziehe oft "nur" einzelne Zeilen auf mein eigenes Leben.
Zu der weiter oben begonnenen Gott-Diskussion: Auch wenn ich keinen Gläubigen vor den Kopf stoßen möchte: Ich finde jegliche Art von Religiosität lächerlich; nein, nicht lächerlich, eher einfach nur unüberlegt. Götter und Religionen sind nur selbsterdachter Trost. Wenn man mit manchen diskutiert, die zuerst sagen, sie würden an Gott glauben, stellt sich bald heraus, dass sie aber nicht an die Bibel glauben, oder nicht an die Schöpfungsgeschichte oder nicht an dies oder jenes, aber dass Gott für sie halt ein unpersönliches, omnipräsentes Schutzwesen ist. Bedenkt man nun, wieviele verschiedene Vorstellungen gibt, wird es doch allmählich unwahrscheinlich, dass jeder Recht hat - dann müsste es verdammt viele Götter geben. Andererseits, wenn es ein richtiges Bild gibt - a)welches wäre das Richtige und b) warum weiß keiner, welches es ist?
Bedenkt man nun noch den geschichtlichen Hintergrund, erledigt sich dieses ganze Gedankenkonstrukt. Zu Zeiten der Römer war Religion nicht gerade von Toleranz o.ä. geprägt, ein einziger Riesenstaat bedeckte die bekannte Welt, der in riesigen Arealen mit Militärgewalt regierte - Trost war vonnöten. Nun, und dann hat sich halt einer ne schöne Story überlegt, die zugegebenermaßen gut rübergebracht und dementsprechend Erfolg gehabt, da sich keiner - bis heute - groß Gedanken drüber machen wollen, ob das denn stimmen könnte.

So, jetzt habe ich euch hier zugelabert und fürchte gerade, dass das hier überhaupt nicht hinpasst. :: Sorry. However, bin gerne zu Kontroversen bereit. :darkface:
 
Re: The Game

Boah, jetzt bin ich geplättet!!!
Warum zugelabert, ich finds klasse. Du hast mich da zu Gedankengängen angeregt.....Auch wenn die Römer soooooooo unterdrückend waren, so hatten sie doch- wenn ich mich noch richtig an Geschichte erinner - viele verschiedene Götter zur Auswahl, oder?
Oje, ich denke, das schweift vielleicht zu sehr ab. Wir könnten uns ja ins PM zurückziehen, Deine Denkanstösse finde ich nämlich sehr interessant.

Philia
 
Re: The Game

Götter und Religionen sind nur selbsterdachter Trost. Wenn man mit manchen diskutiert, die zuerst sagen, sie würden an Gott glauben, stellt sich bald heraus, dass sie aber nicht an die Bibel glauben, oder nicht an die Schöpfungsgeschichte oder nicht an dies oder jenes, aber dass Gott für sie halt ein unpersönliches, omnipräsentes Schutzwesen ist.

Wenn alle Zivilisationen eine Form von Religion haben, so muß man sich doch die Frage stellen, ob die Suche nach dem Göttlichen in der Welt so absurd ist. Man braucht nicht weit hinausschauen, um festzustellen, wie begrenzt man als Mensch ist. Es ist nicht unwahrscheinlich, daß es in irgendeiner Form eine übergeordnete Persönlichkeit gibt.

Bedenkt man nun, wieviele verschiedene Vorstellungen gibt, wird es doch allmählich unwahrscheinlich, dass jeder Recht hat - dann müsste es verdammt viele Götter geben. Andererseits, wenn es ein richtiges Bild gibt - a)welches wäre das Richtige und b) warum weiß keiner, welches es ist?

Das Problem von Vorstellungen und Bildern ist halt immer, daß sie eigenes Wunschdenken beinhalten, und vom menschlichen Standpunkt ausgehen, der für die Erfassung des Göttlichen zu beschränkt sein muß - sonst wäre das Göttliche ja nicht göttlich. Es KANN kein richtiges Bild geben, das liegt in der Natur der Sache.

Bedenkt man nun noch den geschichtlichen Hintergrund, erledigt sich dieses ganze Gedankenkonstrukt. Zu Zeiten der Römer war Religion nicht gerade von Toleranz o.ä. geprägt, ein einziger Riesenstaat bedeckte die bekannte Welt, der in riesigen Arealen mit Militärgewalt regierte - Trost war vonnöten. Nun, und dann hat sich halt einer ne schöne Story überlegt, die zugegebenermaßen gut rübergebracht und dementsprechend Erfolg gehabt, da sich keiner - bis heute - groß Gedanken drüber machen wollen, ob das denn stimmen könnte.

Das ist doch total konstruiert. Das Judentum ist viel älter als die Römer, der Islam viel jünger, Buddhismus und Hinduismus hatten nie Kontakt zum römischen Reich. Und es ist auch völlig falsch, daß sich keiner Gedanken darüber gemacht hat, siehe z. B. die Bibelkritiker im 20. Jhd. Das Problem ist nur, wenn man alles ablehnt, was nicht rational erklärbar ist, steht man letzten Endes auch ohne Gott da, an diesem Punkt sind die Kritiker alle gescheitert.
Leider habe ich jetzt etwas wenig Zeit, das genauer auszuführen, wir können die Diskussion aber gerne weiterführen. Ich möchte aber anfügen, daß ich mit Sicherhiet nicht unüberlegt Christ bin.
 
Re: The Game

Einerseits hast Du ja Recht! Andererseits - alle Götter sind ein Gott!!! Damit hat sich das Thema an sich erledigt. Zugelabert? Nicht im geringsten! 😉
 
Re: The Game

@ Legolas: Deine Interpretation hat mir mal wieder extrem gut gefallen, besonders: "Manchmal bedauert der Erzähler es einfach, so ein netter Kerl & Menschenfreund zu sein." 😉 Vielen lieben Dank für die interessanten neuen Einsichten!

@ Philia: Meine ursprüngliche Einschätzung des Songs deckt sich zu 100% mit der Deinen. Wohl auch, weil das persönliche Erfahrungen mitspielen.
 
Re: Religion

Hab das mit dem Christentum nur als Beispiel gewählt, da dies die Religion ist, mit der ich mich am ehesten auskenne. Hab jetzt leider auch nicht mehr so die große Zeit - auch ich muss mich mal in meine Schlafgemächer 🙂 zurückziehen. Ach, nochwas: Ich will niemandem vor den Kopf stoßen (siehe "bin kein unüberlegter Christ), aber mich regen Leute auf, die sich so überhaupt keine Gedanken machen und sich "einfach so" in diese Trostwelten flüchten.
Desweiteren beneide ich in einer gewissen Weise gläubige Menschen - ihnen steht eine Art Universal-Trost zur Verfügung, den ich mir als Rationalist selbst verweigere.

Gäbe es Interesse an einem separaten Threat?
 
Re: Religion

Ein neuer Thread ist eine gute Idee, sonst wird nämlich das Interpretationsthema total zerstückelt...
 
Re: The Game

Finde eure Interpretationen toll und habe viele neue Anregungen bekommen, mal wieder über das Lied nachzudenken!

Ich dachte bis jetzt immer, allen anderen ist ganz klar, was uns DL mit ihren Texten sagen wollen - nur mir nicht. Bin sehr froh zu sehen, dass das nicht so ist.

Wie wäre es mit einem neuen Lied zum Interpretieren?

Christine
 
Nightmare

Mich würde eure Meinung zu so ziemlich allen Liedern interessieren!
Aber nach den ernsten Themen jetzt vielleicht mal etwas leichteres? Ich habe heute schon den ganzen Tag die Melodie zu Nightmare im Kopf. Was fällt euch dazu ein?

Gute Nacht und friedliche Träume
Christine
 
Re: Nightmare

Zu "Nightmare" fällt mir ein, dass es einem wirklich ein "Nightmare" beschert, hört man dieses Stück bei Kerzenschein, wenn man allein im Haus ist und Rotwein getrunken hat... Nicht zu empfehlen... aber ich bin auch anfällig für Angstzustände.

Ich schlage Interpretationen von "STUPID" vor... ::

Joy
 
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