Song-Interpretationen

Death-Raft

@ lysanthe: Wat'n los, keine Idee? An Ermangelung von Songs kanns kaum liegen, oder? 😉

Na gut. Mein neuer Vorschlag:

Death-Raft
Als ich diesen Song zum ersten Mal gehört habe, kam er mir unweigerlich ein bißchen komisch vor, was aber an der ungewöhnlichen Art des Gesangs lag. Wenn ich mir den Inhalt dazunehme, ist der Song alles andere als das, sondern recht bedrohlich und verzweifelt. Die Vorstellung, einer der wenigen überlebenden eines Nuklearkrieges zu sein, kommt für mich sehr deutlich rüber, und - wie ich finde - so klingt Anarchie. 'Nur weg hier' ist der Hauptbeweggrund für die Menschen am Rhein...
Auch dieser monotone donnernde/klopfende Rhythmus paßt verdammt gut zur Atmosphäre.

Was sagt Ihr zu Death-Raft?

Chris
 
Re: Death-Raft

Guter Vorschlag, chr, den Song hätte ich auch ausgesucht! Werde mich noch ausführlich dazu äussern, habe nur gerade wenig Zeit...
 
Re: Death-Raft

Hier steht, dass "Death-Raft" von einem gleichnamigen Theaterstück inspiriert sei und die Erlebnisse weniger überlebender nach einem Atomkrieg beschreibe. Wenn man das mal weiss, gibt es nicht mehr viel zu interpretieren, da der Text recht klar ist. Also eine schlechte Wahl, Chris ;-)
 
Re: Death-Raft

Also ich kenne das Theaterstück nicht und habe auch über Google nichts dazu gefunden (außer jeder Menge Links zu Schiffsunglücken). Also wenn jemand nähere Informationen hat: HER DAMIT! 🙂

Ein paar spontane Gedanken einer Ahnungslosen zu dem Stück:

Grundtenor ist eine Gruppe verzweifelter Menschen, die in einer Art todesmutiger Pilgerfahrt (oder Gralssuche) auf der Suche nach dem gelobten (in diesem Fall unverseuchten) Land sind. Trotz aller Widrigkeiten werden sie von Hoffnung getrieben.
Die Interpretation des Refrains:

"Heya Heya Ho", we walk along the Rhine,
When the rain may fall or when the sun may shine,
"Heya Heya Ho", we leave the death behind,
To where the air is clean, to where the water is fine.


bringt für mich außerdem noch einen gewissen Galgenhumor zum Ausdruck.

Ein Lichtblick und Hoffnungsschimmer, die Geburt neuen Lebens, wird leider abrupt zunichte gemacht, als sich herausstellt, daß das Kind nicht lebensfähig oder mutiert ist und die "Wanderer" es zurücklassen (müssen?).

A little baby's born, new hope for the world,
In the days of "Nucleus", can we all get well?
This is no human being lying in the hay,
Oh we must leave it here, we must be on our way...


Alles in allem ist das Szenario für mich ziemlich trostlos.
Möglicherweise weist der Titel Death-Raft (als Gegensatz zu life raft= Rettungsinsel, Rettungsfloß) darauf hin, dass die Reise zum Scheitern verurteilt ist und für die Beteiligten in den Tod führt.
 
Re: Flowers of love

Ich habe mich jetzt auch noch mal ein bißchen mit "Flowers of Love" beschäftigt. (Ich poste das jetzt extra, damit niemand durcheinander kommt.)

Ich habe den Eindruck, daß der Erzähler der Beerdigung eines sehr nahen Verwandten, möglichweise des eigenen Vaters, beiwohnt.
Der Schock des Todes und des Zurückgelassenseins in der Welt der Lebenden taucht die Zeremonie in eine fremdartige, albtraumhafte Stimmung.
Ich habe das Gefühl, daß der Protagonist noch ein Kind ist und nicht versteht, daß Leute zum Beispiel feiern und einen Leichenschmaus abhalten können, wenn etwas so schreckliches wie der Verlust des wichtigsten Menschen im Raum steht. Oder das ein Leben, das ein so wichtiger Teil seiner Welt war, einfach so schnell dahin ist. Er versucht, wenigstens dem Song (ein Lied, das gerade gespielt wird oder das besondere Bedeutung für die beiden hat) eine Art Unsterblichkeit und damit andauernden Erinnerungswert zu verleihen.
Ich stelle mir vor, daß der Erzähler wie in Trance vor dem Sarg steht.
Anwesende reden auf ihn ein, versuchen zu trösten, aber er hört sie nicht, ist vollkommen auf den Verstorbenen fixiert.

Für den Protagonisten ist es auch unbegreiflich, daß der wie friedlich schlafend vor ihm liegende Körper nie mehr aufstehen und mit ihm sprechen wird. überhaupt verwirrt ihn, daß so ein schlimmes Ereignis mit soviel Schönheit (die Blumen) und Feierlichkeit einhergeht.
Am liebsten möchte er sich dem ganzen entziehen, kann es aber nicht.

Die letzten Zeilen:

So let's dance, so let's dance
So let's celebrate...


kommen mir dabei wie beginnender Wahnsinn vor.

Na ja, ich liege wahrscheinlich wieder total falsch, aber das sind die Dinge, die mir bei "Flowers of Love" durch den Kopf gehen.
 
Re: Death-Raft

> auf der Suche nach dem gelobten (in diesem Fall unverseuchten) Land sind

Da sie dem Rhein langlaufen, kann es sich dabei eigentlich nur um mein Heimatland handeln, in dem der Rhein entspringt, die Schweiz 🙂

(ich gehe davon aus, dass sie flussaufwärts wandern, da das Wasser flussabwärts sicher nicht besser wird, auch ist Kriegsverschonung der neutralen Schweiz wahrscheinlicher).

> gewissen Galgenhumor

Ja, das ganze Lied.

> [Spekulation]nicht lebensfähig oder mutiert[/Spekulation]

Warum Spekulation? Geht aus dem Text doch klar hervor.
 
Re: Death-Raft

Ok, ist jetzt keine Spekulation mehr. 😛

Die Schweiz nach einem Atomkrieg nicht radioaktiv verseucht? Das ist genau dasselbe Wunschdenken wie bei den "Wanderern". Dazu müßten die Schweizer sich schon eine Riesenbleikuppel bauen.
 
Re: Death-Raft

Gewiss 🙂
Aber es wäre denkbar, dass sie nicht direkt in den Krieg involviert war, nicht direkt bombardiert wurde und die "Rheinwanderer" sich daher in ihr einen Ort erhoffen "where the air is clean, where the water is fine", wenn es sich wohl auch höchstens um *etwas geringere* Verseuchung handeln wird. Wie gesagt, etwas anderes kann kaum gemeint sein, es sei denn natürlich, sie wollen noch weiter, die Alpen überqueren...
 
Re: Death-Raft

...zum Atombunker vom Berlusconi, hm? Der hat doch bestimmt einen... ::
 
Re: Death-Raft

Ich hatte gerade keine Zeit und etwas Computerprobleme - jetzt muss ich erst mal lesen, was schon alles geschrieben wurde.

Lysanthe
 
Re: Death-Raft

So, jetzt:

über das Lied hatte ich noch überhaupt nicht nachgedacht. Ich hielt es tatsächlich für etwas angestaubt.

Der Grund dafür wurde mir inzwischen erschreckend klar:
Mein Unterbewußtsein schrie immer sofort: "Nein - nicht noch ein Lied über den Atomkrieg. Mir reicht ’s. Ich habe mein Soll an Diskussionen/Filmen/Theaterstücken/... über Atomkrieg/ AKWs/ Wiederaufbereitungsanlagen/... in den Achtzigern brav erfüllt. Keine Lust mehr. Thema erledigt"

Leider ist das Thema nicht erledigt, sondern genauso aktuell wie vor 15-20 Jahren. Nur interessiert es inzwischen kaum noch jemanden. Außer ab und an ein paar Störungen bei Castor-Transporten passiert da nichts (und die sehe ich jetzt nicht als sehr förderlich an, um das Interesse der Allgemeinheit wieder zu wecken). Dafür sind jetzt die Risiken der Gen-Technik und der Handys "in".


Keine Sorge, ich will jetzt keine Atom-Diskussion hier anfangen - aber das kam wir so in den Sinn.
Zum Inhalt, kann ich nicht Neues beitragen. Ich habe auch nichts über das Theaterstück herausgefunden.

Lysanthe
 
Das Lied vom einsamen Mädchen

elas Aussage ausm Veljanov-Thread nehm ich jetzt mal als Anfang für den nächsten Song, der zwar nicht direkt bei "DL-Songs" etwas zu suchen hat und obendrein noch gecovert ist, den ich aber trotzdem gerne zur Diskussion stellen möchte.
ela schrieb:
Um nochmal zum "Einsamen Mädchen" zurückzukommen: Bin ich der einzige Mensch auf Erden, der das Lied nicht mag? Nehmts mir nicht übel, aber für Textzeilen wie "weil sie einsam war...und so blond ihr Haar" gehört der Dichter eigentlich gehauen ;-) Rollt mir dann doch ein bischen die Fußnägel hoch - so schön die Melodie ist...und dann dieses unsägliche Ende :-o

Dazu posten möchte ich Herzmaschines Antwort
:: Der Text ist halt ein Produkt seiner Zeit. Außerdem muß man ihn, glaube ich, auch nicht unbedingt so ernst nehmen.

Hmm, ich weiß nicht, aber ich assoziiere mit diesem Song immer dieses "Monroe-Syndrom" - begehrt aber nicht geliebt werden.
Natürlich ist auch für mich dieser Text nicht der tiefgreifendste, den ich je gehört habe, aber wenn man die Zeilen "weil sie einsam war...und so blond ihr Haar" weiterliest bis "und ihr Mund so rot wie Wein. Ja keine konnt' so küssen und doch so einsam sein.", dann isses mit meinen Fußnägeln nicht mehr ganz so schlimm. 😉 Für mich ist es die Umschreibung von "Männerverschleiß ohne Ende, aber innerlich leer, unglücklich und nirgendwo geborgen".
Mittendrin gibts dann den *Bekehrer*, der behauptet, "auch Du fühlst Lust und Schmerz". Und ich bin glücklich, daß dieses Lied nicht in Hollywood verfilmt wurde, denn sonst hätte er sie gekriegt, und alles hätte in Friede, Freude, Eierkuchen geendet. ::

Alles in allem finde ich diesen Song wunderschön traurig und voll Herzschmerz...

Chris
 
Re: Das Lied vom einsamen Mädchen

Hmm, ich weiß nicht, aber ich assoziiere mit diesem Song immer dieses "Monroe-Syndrom" - begehrt aber nicht geliebt werden.

Das haste schön gesagt! 🙂 Hm, der Song war irgendwie noch nie einer meiner Favouriten, aber damals bei der V ’ fand ich es sehr interessant, dass Alexander mal deutsch singt (abgesehen von Lass Mich... wobei man das kaum Singen nennen kann). Aber so richtig was damit anfangen kann ich irgendwie nicht.
 
Re: Das Lied vom einsamen Mädchen

Kleiner Zwischen - Call 😉 : Heisst nicht diese Textzeile statt: "auch Du fühlst Lust und Schmerz" ... viel eher so: "auch Du fühlst Lust an Schmerz" ?

Ich hör mir die CD einfach mal nochmal an. Hab eh wieder mal Lust die Veljanov - Sachen durchzuhören 🙂 .

Viele liebe Grüße
Auri
 
Re: Das Lied vom einsamen Mädchen

Mensch, jetzt hätt ich fast aus diesem Stück einen Sado - Maso - Song gezaubert :: !!! Was man nicht alles für falsche Dinge in Sachen hineininterpretieren kann 😉 *g* . Naja, dann stehe mir Gott bei, dass der Protagonist mir das verzeiht :: :: 🙂 . Ich hab mir das gute Stück Musik grad vorher nochmal angehört, und habe doch feststellen können, dass Chris mit ihrem Zitat richtig lag. Irgendwie hört sich das "und" halt so stark geraunt an, dass ich anscheinend früher immer den Eindruck hatte, dass es sich hierbei um "an" handelt. Vielleicht ist beides gemeint und dann hat Alexander ein Mischwort erfunden :smile2: :skully: *verstecksichschonmalsoschnellsiekann 😉 🙂 * .

Viele liebe Grüße
Auri
 
Re: Das Lied vom einsamen Mädchen

Ich habe den Text bisher immer so verstanden, dass das Mädchen unfähig ist zu lieben und ihr geschenkte Liebe nicht erwidern kann. Ich hatte dadurch nicht besonders viel "Mitgefühl" mit der Protagonistin.
Erst durch Chris ’ Interpretation ist mit klar geworden, dass man das auch anders verstehen kann: Sie zerbricht ihr Spielzeug, weil sie es von ihren Eltern als Ersatz für Zuwendung und Liebe bekommen hat. Auch der Verehrer mit den 1000 Rosen liebt nicht wirklich sie sondern ihre Schönheit (Aber warum bricht sie dann sein Herz? Verletzter Stolz, weil er sie nicht bekommt?)
So ist mir das Lied viel sympathischer!

Wurde hier schon wo geschrieben von wann der Text ist?
Haben die anderen Interpreten diesselbe Melodie gesungen?

Lys

PS: In Berlin war doch vor etwa 3 Wochen irgendeine Feier - ich glaube 100 Jahre SPD, oder so. Da wurde das Lied auch gesungen. Das hat unseren Zeitungsberichterstatter zu einigen bissigen Kommentaren über den Zustand der Partei verleitet.
 
Re: Das Lied vom einsamen Mädchen

ich finde das Lied hervorragend.
Es stammt wohl schon aus den 60ern oder sogar schon wesentlich früher, könnte erstmals sogar schon in den 40ern gespielt worden sein von der Lyrik her.

Eine hübsche Frau, die unfähig ist zu lieben bzw die Liebe nicht erwidert - Jungs - sowas kennen wir doch alle, hat doch jeder schon seine Enttäuschungen in der Liebe erlebt.

Die Testzeile mit dem blonden Haar beziehe ich darauf, das in vielen Liebesliedern schöne blonde Frauen besungen werden schon seit dem Altertum.

Interessant ist ja, das nach Veljanov auch Martin L. Gore von DM diesen Song gecovert hat auf seiner "Counterfeit 2"-Solo-Scheibe.

Ich finde beide Versionen sehr schön, wobei Martin Gores zerbrechliche Stimme durch den englischen Akzent noch skurriler wirkt.
 
Re: Das Lied vom einsamen Mädchen

Wenn ichs mir richtig gemerkt habe, wurde das Lied doch schon von Marlene Dietrich gesungen, oder? Und das muß so in den 20er Jahren gewesen sein. Nico von Velvet Underground hat es wohl auch nur gecovert.
Auch der Verehrer mit den 1000 Rosen liebt nicht wirklich sie sondern ihre Schönheit (Aber warum bricht sie dann sein Herz? Verletzter Stolz, weil er sie nicht bekommt?)

Naja, ich habe da dieses Bild im Kopf, daß "Herr Rosenkavalier" sie *umkrempeln* will. Es gab vermutlich schon immer Menschen, die dachten, mit ihnen bzw. durch sie wird alles anders. Er wollte ihre längst gestorbenen Emotionen wecken, hat sich dabei in sie verliebt und endete wahrscheinlich selber einsam. So ist das halt manchmal, A liebt B, B aber liebt C, und alle sind unglücklich... ::

BTW: ich würde verdammt gerne mal das Original und Nicos Version (die ja sowohl für Veljanov als auch für Gore Grundlage war) hören. Wenn sich also
ein(e) Gönner(in) findet, mir mal zu sagen, wo ich die Versionen hören kann, würd ich mich sehr freuen...

Gruß von Chris
 
Re: Das Lied vom einsamen Mädchen

Ich hab mal versucht, zu recherchieren (leider nicht ganz erfolgreich): Das Lied stammt von Werner Heymann und Robert Gilbert, die in den 30er Jahren ne ganze Menge UFA-Filme vertont haben (haben übrigens auch unsterbliche Klassiker wie: Ein Freund, ein guter Freund oder Das gibt's nur einmal "verbrochen"..will über das einsame Mädchen nichts gesagt haben 🙂) Geschrieben wurde das Lied für einen Film namens Alraune (ich vermute mal für die Version mit der Knef, aber da hat IMDB mich echt im Stich gelassen) - und jetzt wird es spannend: das ist so eine Art Frankenstein-Geschichte. Die Dame wurde künstlich geschaffen und kann daher keine "Gefühle fühlen". (Und ich vermute, sie ist blond 😉) Wenn sie das dann in dem Film selber singt (oder Nico, die Version kenne ich leider auch nicht), ist es wahrscheinlich auch nicht mehr gar so schwülstig - obwohl, den Petrus am Ende hätte es echt nicht gebraucht!!!
 
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